5. Das dyadische Produkt und seine intelligenzstiftende Fähigkeit

1. Einführung zum dyadischen Produkt

Ein dyadisches Produkt aus zwei Vektoren, auch Außenprodukt genannt, lässt sich durch eine neuronale Schaltung veranschaulichen, bei der ein Inputvektor auf ein einzelnes Zwischenneuron projiziert und dieses Zwischenneuron seinen Output auf mehrere Outputneuronen verteilt.

Die zugehörige neuronale Schaltung verwendet zwei Grundeigenschaften von Neuronen:

Dyadisches Produkt

Die Gewichte der Inputschicht können als Gewichtsvektor w dargestellt werden:

Formel

Die Gewichte der Outputschicht v können ebenfalls als Gewichtsvektor dargestellt werden:

Formel.

Bezeichnet man mit h die Erregung des Zwischenneurons, so lässt sich diese als Skalarprodukt des Inputvektors x mit dem Input-Gewichtsvektor w darstellen:

Formel

Der Output h des Zwischenneurons wird nun auf die m Outputneuronen aufgeteilt, wobei die Output-Gewichte von v wirksam werden:

Formel

Formel

Formel

            …

Formel

Dieser Zusammenhang zwischen dem Inputvektor x und dem Outputvektor y lässt sich auch als dyadisches Produkt dieser Vektoren darstellen.

Ein einzelnes Zwischenneuron (Hidden Unit) erhält einen Inputvektor Formel  und erzeugt daraus einen Skalar

Formel

wobei Formel der Gewichtsvektor der Eingänge ist.

Dieser Skalar wird dann auf einen Outputvektor Formel  projiziert, typischerweise linear über einen zweiten Gewichtsvektor Formel:

Formel

 

Formel

Damit ist die gesamte Abbildung Formel eine lineare Abbildung, die sich als Matrix A schreiben lässt.

Formel.

Für das dyadische Produkt (äußeres Produkt) wird ein eigenes Symbol, das Tensorprodukt-Symbol  Formel verwendet, um es klar vom Skalarprodukt zu unterscheiden:

Formel

Damit lässt sich die Matrix A, welche die lineare Abbildung zwischen dem Inputvektor und dem Outputvektor beschreibt, auch als dyadisches Produkt der zwei beteiligten Gewichtsvektoren schreiben:

Formel

2. Beispiel zum dyadischen Produkt

Wir verdeutlichen die Zusammenhänge zum dyadischen Produkt an einem konkreten Beispiel.

Formel

Formel

Formel

Formel

Formel

Das ist die Sicht „Zwischenneuron + Outputgewichte“.

Die Gesamtmatrix ist

Formel

Ausmultipliziert:

Formel

Jetzt wenden wir Formel direkt auf Formel an:

Formel

Komponentenweise:

Formel

Formel

Formel

Formel

Also

Formel

genau wie oben über die Zwischenneuron-Sicht.

3. Warum ein dyadisches Produkt immer Rang 1 hat

Wir betrachten eine Matrix der Form

Formel

wobei Formelund FormelVektoren sind.

Alle Zeilen sind Vielfache von

Schreiben wir Formel. Dann ist

Formel

Das bedeutet:

Jede Zeile ist also ein Skalarvielfaches derselben Zeile Formel.

Alle Zeilen liegen im selben eindimensionalen Unterraum. Damit ist der Zeilenrang = 1 (sofern Formelund Formel).

Alle Spalten sind Vielfache von Formel

Schreiben wir  Formel. Dann ist

Formel

Das bedeutet:

Jede Spalte ist also ein Skalarvielfaches derselben Spalte Formel.

Alle Spalten liegen im selben eindimensionalen Unterraum. Damit ist der Spaltenrang = 1.

Zeilenrang = Spaltenrang = 1 Rang(A) = 1

Da für jede Matrix gilt:

Formel

folgt unmittelbar:

Formel

 

Zusammenfassung

Ein dyadisches Produkt Formel besitzt immer Rang 1, weil alle Zeilen Vielfache von Formelund alle Spalten Vielfache von Formel sind. Damit spannen sowohl die Zeilen als auch die Spalten jeweils nur einen eindimensionalen Unterraum auf.

4. Geometrische Bedeutung eines dyadischen Produkts

Für

Formel

gilt für jeden Inputvektor Formel:

Formel

Damit ist sofort klar:

Das heißt:

Geometrisch bildet ein dyadisches Produkt Formel jeden Inputvektor auf einen Outputvektor ab, der stets in derselben Richtung wie Formel liegt. Nur die Länge des Outputvektors variiert in Abhängigkeit vom Input.

Damit ist der Bildraum eindimensional, und die Matrix hat Rang 1.

Die intelligenzstiftende Fähigkeit von dyadischen Produkten

Die neuronale Schaltung eines Zwischenneurons, das Input von mehreren Neuronen empfängt und selbst mehrere Neuronen mit Output versorgt, ist eine der elementarsten und zugleich wirkungsvollsten Strukturen im Nervensystem. Ihre besondere Bedeutung ergibt sich aus einer bemerkenswerten Fähigkeit: Sie kann unvollständigen oder verrauschten Input vervollständigen, Muster ergänzen und im Output Elementarsignale erzeugen, die im Input gar nicht explizit vorhanden waren.

Mathematisch entspricht diese Schaltung einem dyadischen Produkt. Dieses erzeugt eine lineare Abbildung vom Rang 1, die den Input auf eine charakteristische Richtung im Outputraum projiziert. Genau diese Eigenschaft macht dyadische Produkte zu grundlegenden Bausteinen biologischer und künstlicher Intelligenz.

Wir diskutieren diese Eigenschaft an drei konkreten Beispielen.

Beispiel 1 — Referenzfall: Vollständiger Input

Wir wählen einfache, gut nachvollziehbare Zahlen.

Inputvektor

Formel

Gewichtsvektor (synaptische Stärken)

Formel

Skalarprodukt

Formel

Divergenzgewichte (Outputrichtung)

Formel

Referenzoutput

Formel

Das ist unser vollständiger, idealer Output.

Beispiel

Wir löschen die zweite Komponente im Inputvektor x:

Gestörter Input

Formel

Neues Skalarprodukt

Formel

Neuer Output

Formel

Also:

Formel

Entscheidend:

Formel

Der Output ist identisch im Muster, nur global abgeschwächt.

Das Interneuron ergänzt die fehlende Komponente vollständig.

Beispiel

Wir nehmen einen verrauschten Input:

Verrauschter Input

Formel

Neues Skalarprodukt

Formel

Neuer Output

Formel

Also:

Formel

Entscheidend:

Formel

Der Output ist nicht verrauscht, sondern nur verstärkt.

Das dyadische Produkt unterdrückt Rauschen und stabilisiert das Muster.

Was diese Beispiele beweisen

Diese drei Beispiele zeigen:

1. Musterstabilität

Das Muster des Outputs bleibt immer identisch, egal ob Input fehlt oder verrauscht ist.

2. Rekonstruktion

Fehlende Inputkomponenten werden vollständig ergänzt.

3. Rauschunterdrückung

Verrauschte Inputs führen zu sauberem Output.

4. Skalierungsinvarianz

Alle Störungen wirken nur als globaler Korrekturfaktor:

Formel

 

5. Intelligenzstiftende Eigenschaft

Das dyadische Produkt erzeugt Output, der im Input nicht vorhanden ist.

Lehrsatz über die Rekonstruktionsfähigkeit des dyadischen Produkts

Sei Formelein Gewichtsvektor und Formelein Divergenzvektor. Für jeden Inputvektor Formeldefiniert das dyadische Produkt

Formel

einen Outputvektor, dessen Muster ausschließlich durch Formel bestimmt wird.

Fehlen im Input einzelne Komponenten oder ist der Input verrauscht, so gilt für jeden gestörten Input Formel:

Formel

mit einem Skalierungsfaktor

Formel.

Damit bleibt das Muster des Outputs vollständig erhalten; fehlende oder verrauschte Inputkomponenten führen lediglich zu einer globalen Skalierung. Das dyadische Produkt ist damit eine der wenigen linearen Operationen, die unvollständige oder verrauschte Muster erkennen und fehlende Komponenten rekonstruieren können.

Warum das dyadische Produkt so selten ist

Es gibt nur sehr wenige mathematische Operationen, die:

Das dyadische Produkt ist eine dieser extrem raren Operationen.

Diese intelligenzstiftende Eigenschaft dyadischer Produkte kann jedoch völlig verlorengehen.

 

Monografie von Dr. rer. nat. Andreas Heinrich Malczan

Monografie von Dr. rer. nat. Andreas Heinrich Malczan